Multiple Sklerose

Epidemiologie und Genetik

Die Häufigkeit der MS ist weltweit  sehr unterschiedlich und abhängig vom Breitengrad. Im Allgemeinen nimmt die Erkrankungshäufigkeit in Richtung der Pole stark zu und hat am Äquator ihr Minimum.

Abbildung 1: Weltweite Verteilung der MS (www.msif.org)

Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung beginnt hauptsächlich im jungen Erwachsenenalter, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr. Erstmanifestationen vor der Pubertät sowie nach dem 60. Lebensjahr sind selten, können aber durchaus vorkommen. Aus Einwanderungsstudien ist bekannt, dass sich das Erkrankungsrisiko dem Einwanderungsland angleicht, wenn der Umzug aus einem Hochrisikogebiet vor dem 15. Lebensjahr erfolgt, während bei Auswanderung nach dem 15. Lebensjahr das ursprüngliche Erkrankungsrisiko beibehalten wird. Neben diesen äußeren Einflüssen scheinen genetische Faktoren ebenfalls eine Rolle zu spielen: die Häufigkeit der MS weist deutliche Unterschiede bei verschiedenen Rassen auf und kommt vor allem bei Weißen vor, während sie bei Schwarzen oder bei Asiaten kaum anzutreffen ist. Die Konkordanzrate, d. h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zwilling betroffen ist, wenn auch der andere Zwilling erkrankt ist, ist bei eineiigen Zwillingen mit etwa 21 - 40% deutlich höher als bei zweieiigen Zwillingen (3-5%). Familienangehörige eines MS-Erkrankten haben ein Erkrankungsrisiko von bis zu 5%, das damit gegenüber der Normalbevölkerung um den Faktor 30 - 50 erhöht ist. Wiederholt konnte in einzelnen Untersuchungen ein schwacher Zusammenhang zu verschiedenen HLA-Antigenen, die für die Immunantwort verantwortlich zu sein scheinen, gefunden werden. Mittlerweile konnten mehr als 150 Gene identifiziert werden, die alle mit der MS assoziiert sind. Diese Beobachtungen stützen die Schlussfolgerung, dass die Ursache der MS in einem komplexen Zusammenspiel aus Veranlagung und Umwelteinflüssen zu suchen ist.

Das derzeit allgemein akzeptierte Konzept zur Entstehung der MS besagt, dass bei bestimmter genetischer Veranlagung ein Krankheitsprozess in der frühen Kindheit initiiert wird, der symptomlos verlaufen, aber unter dem Einfluss äußerer Einflüsse auch zum Vollbild der Krankheit führen kann. Diese Einflussfaktoren sind unbekannt, diskutiert werden hier vor allem virale Infekte wie mit dem Cytomegalie- oder das Epstein-Barr-Virus, aber auch die Sonneneinstrahlung (als schützender Faktor), Rauchen oder Übergewicht im Kindesalter.

Abbildung 2: Entstehung der MS