Trotz der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten kommt der Vorbeugung nach wie vor große Bedeutung zu. Dazu gehört in erster Linie, die Risikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Nikotinkonsum, erhöhte Blutfette, Übergewicht und Bewegungsmangel) frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln.
Damit wird nicht nur das Risiko für einen Schlaganfall, sondern auch für einen Herzinfarkt oder andere gefäßbedingte Erkrankungen wie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit ("Raucherbein") deutlich gesenkt. Neben diesen allgemeinen Maßnahmen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die einen weiteren Schlaganfall verhüten können. Die sog. "Thrombozytenfunktionshemmer" wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel beeinflussen die Blutplättchen ("Thrombozyten"), vermindern die Gefahr der Bildung eines Blutgerinnsels und senken damit das Risiko eines Schlaganfalls. Da die Blutplättchen bei einer Verletzung für die Blutstillung verantwortlich sind, besteht bei der Behandlung mit Thrombozytenfunktionshemmern ein leicht erhöhtes Blutungsrisiko. In bestimmten Fällen, insbesondere bei einer vermuteten Embolie aus dem Herzen wie bei Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), nach einem Herzinfarkt oder nach Herzoperationen, werden Substanzen eingesetzt, die die Blutgerinnung dauerhaft hemmen. Diese nennt man "Gerinnungshemmer" oder auch "Antikoagulantien" und wirken stärker als Thrombozytenfunktionshemmer, haben aber auch ein deutlich erhöhtes Blutungsrisiko. Ist die Ursache des Schlaganfalls eine hochgradige Verengung der Halsschlagader ("Carotisstenose"), kann diese durch eine Operation oder die Einlage eines sog. "Stents" beseitigt werden.
Akutbehandlung
Wenn die oben angeführten Warnzeichen für einen Schlaganfall
eingetreten sind, ist die Akutbehandlung im Krankenhaus erforderlich.
Dabei kommt es darauf an, dass die Behandlung so frühzeitig wie möglich
begonnen wird. Nur dadurch kann unter Umständen die Durchblutungsstörung
beseitigt und Hirngewebe gerettet werden ("time is brain").
Daher sollte sofort der Notarzt alarmiert werden, der bereits mit der
Notfallbehandlung beginnt. In der Klinik werden rasch die erforderlichen
diagnostischen Schritte (Laborwerte, EKG, CT und Ultraschalluntersuchung
der hirnversorgenden Blutgefäße) durchgeführt. Die Basisbehandlung
ist bei allen Formen des Schlaganfalls gleich. Dabei werden die lebenswichtigen
Körperfunktionen engmaschig überwacht und unter anderem dafür
gesorgt, dass der Patient genügend Flüssigkeit und Sauerstoff
erhält, die Blutdruck- und Blutzuckerwerte in einem günstigen
Bereich liegen und die Körpertemperatur 37°C nicht übersteigt.
Die spezifische Behandlung richtet sich nach der Ursache des Schlaganfalls.
Wenn ein Blutgerinnsel ein Gefäß verschlossen hat und der Schlaganfall
nicht länger als drei Stunden zurückliegt, kann ein Versuch
unternommen werden, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen und
dadurch die Durchblutungsstörung zu beseitigen. Dieses Verfahren
nennt man "Thrombolyse".
Rehabilitationsbehandlung
Sobald wie möglich wird mit der Mobilisation und Rehabilitationsbehandlung
begonnen. Bereits im Akutkrankenhaus lernen die Patienten unter Anleitung
der Therapeuten, die funktionellen Beeinträchtigungen zurückzugewinnen.
Im Anschluss kann eine mehrwöchige Rehabilitation erforderlich sein,
bei der Alltagsaktivitäten geübt werden und die Wiedereingliederung
in das Berufs- und Alltagsleben ermöglicht wird. Glücklicherweise
ist unser Gehirn in der Lage, bestimmte Ausfälle auszugleichen und
sich den veränderten Bedingungen anzupassen ("neuronale Plastizität").
Dafür müssen aber die verschiedenartigen, gestörten Funktionen
immer wieder und intensiv geübt werden. Dies geschieht mit den Methoden
der neurologischen Rehabilitation - so werden beispielsweise durch krankengymnastische
Übungen die Beweglichkeit verbessert und das Gehvermögen trainiert,
durch Ergotherapie Arm- und Rumpffunktion aufgebaut und alltagsrelevante
Funktionen wie Waschen, Anziehen und Essen eingeübt, durch Logopädie
Sprachstörungen behandelt und durch die neuropsychologische Therapie
Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen angegangen.
Der Sozialdienst berät über die Versorgung mit Hilfsmitteln
für zu Hause und organisiert pflegerische Unterstützung, sofern
erforderlich. Ziel all dieser Maßnahmen ist die Wiederherstellung
größtmöglicher Selbständigkeit und Unabhängigkeit.