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Epidemiologie und Genetik

Die MS kommt in Mitteleuropa mit einer Häufigkeit von etwa 50 - 100 pro 100.000 vor. Pro Jahr erkranken zwischen 1 - 3 pro 100.000 Menschen neu an einer MS. Diese Häufigkeiten sind jedoch geographisch sehr unterschiedlich und abhängig vom Breitengrad. Im Allgemeinen nimmt die Erkrankungshäufigkeit in Richtung der Pole stark zu und hat am Äquator ihr Minimum.

Geographische Verteilung der MS

Allerdings sind epidemieartige Häufungen mit Abweichungen von dieser Regel beschrieben, z. B. auf Sardinien, in Island und auf den Faröer-Inseln. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung beginnt hauptsächlich im jungen Erwachsenenalter, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr. Erstmanifestationen vor der Pubertät sowie nach dem 60. Lebensjahr sind selten, können aber durchaus vorkommen. Aus Einwanderungsstudien ist bekannt, dass sich das Erkrankungsrisiko dem Einwanderungsland angleicht, wenn der Umzug aus einem Hochrisikogebiet vor dem 15. Lebensjahr erfolgt, während bei Auswanderung nach dem 15. Lebensjahr das ursprüngliche Erkrankungsrisiko beibehalten wird. Neben diesen äußeren Einflüssen scheinen genetische Faktoren ebenfalls eine Rolle zu spielen: die Häufigkeit der MS weist deutliche Unterschiede bei verschiedenen Rassen auf und kommt vor allem bei Weißen vor, während sie bei Schwarzen oder bei Asiaten kaum anzutreffen ist. Die Konkordanzrate, d. h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zwilling betroffen ist, wenn auch der andere Zwilling erkrankt ist, ist bei eineiigen Zwillingen mit etwa 21 - 40% deutlich höher als bei zweieiigen Zwillingen (3-5%). Familienangehörige eines MS-Erkrankten haben ein Erkrankungsrisiko von bis zu 5%, das damit gegenüber der Normalbevölkerung um den Faktor 30 - 50 erhöht ist. Wiederholt konnte in einzelnen Untersuchungen ein schwacher Zusammenhang zu verschiedenen HLA-Antigenen, die für die Immunantwort verantwortlich zu sein scheinen, gefunden werden. Diese Beobachtungen stützen die Schlussfolgerung, dass die Ursache der MS in einem komplexen Zusammenspiel aus Veranlagung und Umwelteinflüssen zu suchen ist.

Das derzeit allgemein akzeptierte Konzept zur Entstehung der MS besagt, dass bei bestimmter genetischer Veranlagung ein Krankheitsprozess in der frühen Kindheit initiiert wird, der symptomlos verlaufen, aber unter dem Einfluss äußerer Einflüsse auch zum Vollbild der Krankheit führen kann. Diese Einflussfaktoren sind unbekannt, diskutiert werden virale Infekte wie das Cytomegalie- oder das Epstein-Barr-Virus.

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