Symptomatik
Die Symptomatik der MS ist sehr vielfältig und kann im Verlauf stark variieren. Am Beginn der Erkrankung treten häufig Sehstörungen mit Verschwommen- oder Nebelsehen als Ausdruck einer Sehnerventzündung (Optikusneuritis) und motorische Störungen auf. Darüber hinaus finden sich sensible Symptome, häufig in Form von Kribbelparästhesien oder einem Taubheitsgefühl.
Im weiteren Verlauf können spastische Lähmungserscheinungen (Paresen), überwiegend der unteren Extremitäten, und eine Kleinhirnsymptomatik mit Intentionstremor, Gangunsicherheit und skandierender Sprache ("Charcot-Trias") vorkommen. Blasenstörungen im Sinne eines imperativen Harndranges oder einer Dranginkontinenz, einer Blasenentleerungsstörung oder einer kombinierten Schädigung sind ebenfalls häufig und mit dem Schweregrad der motorischen Einschränkung korreliert.
In jüngerer Zeit finden psychische Veränderungen und Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit ("kognitive Störungen") zunehmende Beachtung, da sie einerseits eine erhebliche Belastung für Patient und Angehörige darstellen und andererseits nicht selten alleine und unabhängig von der neurologischen Beeinträchtigung zur Erwerbsunfähigkeit führen können. Leichtere depressive Verstimmungen zeigen sich zumindest zeitweise bei den meisten Patienten, etwa 20 - 25 % leiden gar an einer behandlungsbedürftigen Depression auf. Obwohl kognitive Veränderungen häufig klinisch unbemerkt bleiben und von den Patienten allenfalls Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen angegeben werden, herrscht weitgehende Übereinstimmung darin, dass bei etwa 45 - 65 % der MS-Patienten aufgrund einer eingehenden neuropsychologischen Testung kognitive Einschränkungen diagnostiziert werden können.
Dabei zeigen sich am häufigsten eine verminderte Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeitsstörungen, Beeinträchtigungen des sprachlichen und nicht-sprachlichen Langzeitgedächtnisses sowie des Metagedächtnisses, Störungen visuell-räumlicher Wahrnehmungsfunktionen und Störungen der so genannten exekutiven Funktionen, die für Handlungsplanung und problemlösendes Denken verantwortlich sind. Besonders diese Einschränkungen können eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität zur Folge haben.



